Impressionen vom IFA-Pressetag

Nicht jeder muss unbedingt auf die IFA. Wenn er aber muss, dann hat er ein Problem. Zumindest am gestrigen Pressetag, an dem manche Firmen Journalisten schon einen Einblick in das gewähren, was sie ab morgen dem 2. September 2011, offiziell dem Handel und Publikum präsentieren wollen.

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Und deshalb pilgern Jahr für Jahr Hunderte von sogenannten Fach- und Nichtfachjournalisten zur IFA nach Berlin, um als erste darüber berichten zu können, was in der Welt der Elektro-Groß- und Kleingeräte für Heim, Freizeit und Geschäft inklusive Kaffee- und Waschmaschinen, Kameras, Unterhaltungselektronik, Smartphones, e-Books, Fernsehern und so weiter an neuen Produkten zu erwarten ist. Und das bereits Tage vor der offiziellen Eröffnung.

Die IFA in Berlin: Ein Muss für alle, die aktuell über diese Branchen berichten wollen. Ein Problem allerdings, wenn sie müssen: Denn folgen sie den einschlägigen Zeichen erhalten sie an verschlossenen Türen, dass nur die Toiletten an den Kopfhallen geöffnet sind. Und dort sind sie wegen Überfüllung nur schwer zugänglich. Speziell Damen mussten sich auf längere Wartezeiten einrichten. Immer wieder sah man Damen unter  Druck an verschlossenen Türen rütteln und erfahrene Besucher die Tipps gaben, wo in welcher Halle ein stilles, offenes Örtchen zu finden sei.

Doch die ersten Hürden für den geneigten Schreiberling waren schon vorher zu nehmen. Hochmotiviert landete er frühmorgens mit dem Shuttlebus (kostenlos) vom Flughafen Tegel am Messeeingang Süd, um festzustellen, die Akkreditierung ist am Pressetag dort nicht geöffnet. Die Türsteher verweisen auf den Pförtner am Zulieferereingang. Der würde Journalisten einlassen, die sich dann zur Akkreditierung zur Halle 7 gleich rechts vom Eingang zu begeben hätten. Die Richtung stimmt zwar, doch der erfahrene IFA-Besucher weiß: das Medienzentrum befindet sich in Halle 6.3 und das stimmt immer noch. Dort empfangen ihn drei freundliche Damen und froh das Ziel erreicht zu haben, gibt man die seit Jahren der Messe immer wieder übermittelten persönlichen Daten erneut an, füllt geduldig den Zettel aus und zeigt auch brav den Presseausweis.

Das System wurde geändert und ob man denn nicht ein paar Belegexemplare dabei habe, die über die Kompetenz Auskunft gäben – nicht das man sich als nicht Legitimierter einschleichen wolle. Zufällig hat man nun keinen Stapel Zeitschriften dabei, mit den Artikeln, die man bereits über die IFA, über die Previews und über die handelnden Personen der Geschäftsführung veröffentlicht hat. Aber die kann man ja auch im Internet nachlesen. Da könne man doch ganz einfach prüfen, das man schon mal veröffentlicht hat. Pustekuchen: Wir haben keinen Internetzugang. Keine zehn Meter weiter im Pressezentrum prangen die Zugangsdaten für den kostenlosen Webzugang für Journalisten von allen Wänden. Mit Hinweis auf die Ausnahme wird man dann doch noch akkreditiert und erhält den begehrten Pass für den Zugang zu den noch letzte Hand am Stand anlegenden Ausstellern.

Wie Trüffelschweine durchforsten die Medienvertreter die noch im Chaos liegenden Hallen nach vielleicht doch noch verborgen gebliebenen Neuheiten. Neben ihnen die gemeinen Beutelratten mit einem ausgeprägten Blick für Werbegeschenke. Doch Vorsicht: Nicht jeder der mit einem Rucksack oder gar Rollkoffer herumläuft, zählt zu dieser einsackenden Spezies. Aus Sicherheitsgründen gibt es keine Schließfächer mehr, in denen Journalisten ihr Werkzeug und ihre Unterlagen zwischen lagern können.  Und die Garderoben – etwa am Südeingang -der Einfallschneise vom Flughafen, ist noch nicht besetzt.

Samsungs Pressekonferenz: Wegen Überfüllung
geschlossen.

Um 11 Uhr ist das erste Großereignis des Tages angesetzt. Pressekonferenz bei Samsung. Sicherheitshalber ist man fünf Minuten vorher da. Zu spät! Zu Dutzenden drängen sich die gerade noch Pünktlichen vor der einen noch offenen Eingangstür, um einen Blick auf die letzten, bisher noch nicht gelüfteten Produktgeheimnisse zu erhaschen. Alle anderen Türen sind geschlossen und werden von zwar hübschen aber doch sehr strengen Hostessen bewacht.

Es bedarf einiger Überredungskunst, den PR-Hilfsdamen dann doch noch zumindest eine elektronische Pressemappe in Form eines USB Sticks zu entlocken, die eigentlich erst nach der PK verteilt werden sollten.

Sony und Panasonic haben es da schlauer gemacht. Sie haben ihre Pressekonferenzen schon einen Tag vorher veranstaltet. Manche haben auch schon Wochen und Monate vorher gesagt, was sie in Berlin zeigen wollen. Manche offen, manche unter dem Siegel der Verschwiegenheit, auch NDA “non disclosure agreement” genannt. All diese Neuheiten waren bereits auf den einschlägigen News Websites wie beispielsweise http://www.dasfotoportal.de/ zu finden.

Sagt das Ende optischer Sucher und damit der SLR-Systemkameras voraus:
Ichiro Takagi , President Sony Imaging Business Group.

 

Eine halbe Stunde später (11Uhr 30):  Imaging Round Table bei Sony. Präsentiert werden vor einem exklusiven Kreis von “Experten” und solchen die es sein wollen, von der Führungsspitze der Sony Imaging Division noch einmal die Kamera- und Camcorder-Highlights der IFA , die bereits bei europäischen Großevents der Presse vorgestellt und denen, die nicht dabei waren, auch aus den Pressemeldungen bekannt waren. Eine echte Gelegenheit, auch einmal Features und Produktphilosophien zu hinterfragen. Aber kaum jemand fragte. Nicht etwa weil die Kollegen zu schüchtern waren: der Geräuschpegel von den Sony Ständen neben dem Konferenzraum war einfach zu hoch, um ein Gespräch in Gang zu bringen. Dennoch für Fotointeressierte war das, was dort vom Sony Boss Ichiro Takagi geäußert wurde durchaus zukunftsweisend und in dieser Klarheit noch von keinem anderen SLR-Hersteller geäußert worden: Kameras mit optischen Suchern  haben keine Zukunft. Verbesserte  Sucher wie der OLED Tru Finder werden diese ersetzen und eine neue Spezies von Kameras, durchaus auch für Profis einläuten. Und weiter: High Speed sei ein Thema, das Sony mit seinen neuen Modellen zu einem hohen Grad gelöst habe. Schwierig dagegen seien rauscharme Langzeitbelichtungen zur Erzielung kreativer Effekte. Aber auch das Problem sei fast schon gelöst. Fraglos zeigte sich Sony als besonders innovativ.

Wer sich an diesem Tag mühevoll durch die überfüllten Pressekonferenzen und die im Chaos von Paletten, Verpackungsmaterialien, Mülltonnen, Messebauern und Putzkolonnen zu versinken scheinenden Hallen gekämpft hat, der kann sich wie jedes Jahr kaum vorstellen, das morgen wie immer eine glänzende Schau starten wird, die Handel, Presse und Publikum zum Staunen bringt als würde für eine Woche lang  Weihnachten und Ostern zusammengelegt.
Impressionen vom ersten Messetag finden sie morgen im fotonotizblog an gleicher Stelle. News zu den neuen Produkten wie immer unter www.dasfotoportal.de.

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