Wer klickt mehr?

“Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast”. Dieses häufig Winston churchill zugeschriebene Zitat, soll die Skepsis gegnüber der Aussagekraft von Statistiken zum Ausdruck bringen. Jetzt rückt auch der Photoindustrie-Verband e.V. einem schiefen Zahlenvergleich auf dem Portal macnotes über die angeblich meist genutzte Kamera wieder gerade.

Dort war zu lesen:
“Das iPhone ist die meist genutzte Handy-Kamera bei flickr – und hatte damit sogar zeitweise die Oberhand über alle auf flickr verwendeten Kameras. Derzeit liegen die Nikon D 90 und das iPhone 4 wieder gleichauf. In Zahlen bedeutete das, das derzeit rund 80.000 iPhone-4-Fotos pro Tag hochgeladen werden. Mit den kommenden Neuerungen im iOS 5 zur Fotobearbeitung direkt in der Apple-Kamera-App dürfte sich die Anhängerschaft von iPhone-Fotografen noch weiter vergrößern.”
   
Dazu die Reaktion des Photoindustrie-Verbandes:

“Vergleiche hinken mitunter und erst recht dann, wenn man ein einzelnes Kameramodell dem iPhone 4 und den damit gemachten Aufnahmen gegenüberstellt. So wurde die Meldung auf macnotes, dass das iPhone 4 zeitweise die meistgenutzte Kamera bei flickr war, auch dahingehend interpretiert, dass Smartphones die Kameras ablösen. Dass dem so nicht ist, zeigen die
Abverkaufszahlen. Weltweit verkaufte sich das iPhone 4 inzwischen über 10 Millionen Mal. Der Absatz von allen verkauften Spiegelreflexkameras lag weltweit in 2010 bei 13,9 Millionen, wie GfK und Photoindustrie-Verband berichteten.
Betrachtet und vergleicht man die Anzahl der gemachten Aufnahmen, dann auch nur eines einzelnen SLR-Kameramodells, mit denen des iPhone 4, so wird deutlich, wie intensiv einzelne Kameramodelle genutzt werden. Nur, wenn die Meldung von macnotes dahingehend interpretiert wird, macht der Vergleich Sinn. Konkurrenz zwischen Smartphones und Kameras liegt schon aufgrund der unterschiedlichen Anwendungsgebiete übrigens nicht vor, auch, wenn Smartphones mit der eingebauten Kamera über Fotofunktionen verfügen.
Weniger im Bewusstsein verankert ist, wie sehr Smartphones den Foto- und Imagingmarkt bereichern und zusätzliche Impulse, aber auch Wertschöpfungen garantieren. So entdecken viele Verbraucher die Liebe und die Notwendigkeit der Fotografie über Smartphones. Das Ergebnis ist der Kauf einer Kamera.
Der Mensch strebt stets nach Höherem und so ist die Anschaffung einer Kamera die logische Schlussfolgerung. Hinzu kommen neue Wirtschaftszweige,wie beispielsweise die Anbieter von Apps, die wiederum für Wertschöpfung, auch für die Foto- und Imagingindustrie, sorgen. Jedes verkaufte Smartphone garantiert nicht nur ein Mehr an Bildern, sondern auch
potenzielle Kunden für die Foto- und Imagingbranche. 1.000 Klicks in der Sekunde allein in Deutschland gehören der Vergangenheit an. Mit jeder verkauften Kamera, aber auch mit jedem verkauften Smartphone, erhöht sich die Anzahl der Aufnahmen. Hoch lebe die Fotografie”.

Wo also ist das Problem? Mag sein, das bestimmte Kameramodelle ihre Besitzer zu häufigerer Nutzung verführen. doch letztlich sind es die Fotografen, die bestimmen, wann und wie häufig und zu welchem Anlass sie die ihnen zur Verfügung stehenden Kameras einsetzen.

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